Zum Inhalt springen
Die Akte Anna Katschenka
carelit_203133_4.jpg
carelit_203133_2.jpg
carelit_203133_3.jpg

Die Akte Anna Katschenka

Autor*innen: Gerhard Fürstler   |   Zeitschrift: Geschichte der Pflege, Hungen   |   Jahrgang: 21   |   Heft: 11   |   Seiten: 1 bis 1   |   Erscheinung: 27.11.2018   |   DOI: 10.3936/docid203133


Abstract

Anna Katschenka ist der historischen Pflegeforschung seit etwa 20 Jahren bekannt, unbekannt ist aber immer noch, wie sie ausgesehen hat. Begründung: Bis heute war es nicht möglich, ein Foto von ihr aufzutreiben. Umso erstaunlicher ist dabei wohl die Tatsache, als Anna Katschenka bereits 1946 über die vor dem Volksgericht Wien angesetzte Hauptverhandlung gegen die verantwortlichen Ärzte des Wiener „Spiegelgrundes“ wegen der Kindermorde („Todesbeschleunigungen“) und wie auch in den Tageszeitungen zu lesen war, als „Kronzeugin“ geladen und somit eigentlich schon seit damals, einer breiteren Öffentlichkeit bekannt war. Am 16. Juli 1946 erfolgte ihre Zeugeneinvernahme vor dem Volksgericht: Wann sie zum ersten Mal gehört habe, dass in der Kinderfachabteilung Kinder eines gewaltsamen Todes gestorben sind, könne sie nur schwer sagen. Zuerst wollte sie nichts, später nur gelegentlich etwas davon gehört haben, schließlich erinnerte sie sich nicht einmal mehr an Dinge, die sie während der Voruntersuchung noch ausführlich schilderte. Sie blieb aber auch jetzt noch dabei, dass ihr irgendwelche Weisungen aus Berlin im Zusammenhang mit den Euthanasierungen nicht bekannt gewesen seien. Im Laufe der Vernehmung verwickelte sie sich aber zunehmend in Widersprüche, sodass sie letztendlich doch zugeben musste, von der „Behandlung kranker Kinder“, die die von den Ärzten angeordneten Medikamente verabreicht erhielten, sodass daraus deren Tod erfolgte, gewusst zu haben. Auf die Frage, ob sie auch selbst solche Medikamente verabreicht habe, blieb sie dem Gericht die Antwort schuldig. Noch im Gerichtssaal wurde die Zeugin Anna Katschenka wegen falscher Zeugenaussage und Mitschuld am Mord verhaftet und sofort dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Ab nun hatte sie sich selbst als Beschuldigte vor dem Volksgericht Wien in einem eigenen Strafverfahren öffentlich zu verantworten.


Dieser Artikel ist mit einem Online-Abonnement via CareLit Complete sowie über die Rechercheoberfläche der Fachzeitschrift zugänglich.


ELTERN PFLEGE BERLIN ZEIT GESCHICHTE NATIONALSOZIALISMUS KRANKENPFLEGESCHULE GERICHT KRANKENSCHWESTER
Preis
19,95 € 19,95 € (inkl. Steuern)
19,95 € (inkl. Steuern)

 Sichere Online-Zahlung
 Abo-Freischaltung sofort
 Jederzeit kündbar