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Xenotransplantation<br> Tiere als Organspender für Menschen? (Rezension)

Xenotransplantation Tiere als Organspender für Menschen? (Dahl, Edgar)S. Hirzel Verlag, Stuttgart-Leipzig, 2000, 197 S., 18,40 € - ISBN 3-7776-1011-9Rezension von: Paul-Werner Schreiner Ich erinnere mich an eine Tagung zum Thema Organtransplantation Ende der 80er Jahre des verga
25. Mai 2013 durch
Xenotransplantation<br>
Tiere als Organspender für Menschen? (Rezension)
Andreas Lauterbach

Xenotransplantation
Tiere als Organspender für Menschen? (Dahl, Edgar)

S. Hirzel Verlag, Stuttgart-Leipzig, 2000, 197 S., 18,40 € - ISBN 3-7776-1011-9

Rezension von: Paul-Werner Schreiner

Ich erinnere mich an eine Tagung zum Thema Organtransplantation Ende der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, bei der ein führender deutscher Transplantationschirurg die anwesenden Ethikexperten in der Diskussion fragte, wie denn die Verpflanzung tierischer Organe ethisch zu bewerten sei. Es wurde mit dieser Frage deutlich, daß an der Transplantation tierischer Organe intensiv gearbeitet wurde. Noch in reger Erinnerung war zu diesem Zeitpunkt der Presserummel im Jahr 1984 um das "Baby Fae", den Versuch, einem kleinen Kind, das mit einem tödlichen Herzfehler zur Welt gekommen war, ein Pavianherz zu implantieren. Neben den ablehnenden Stellungnahmen gab es wie schon bei der ersten Herztransplantation einige Jahre zuvor aber auch ein gebanntes Warten darauf, wie dieses Experiment ausgehen wird. Anfang der 90er Jahre wurde dann in Amerika zweimal eine Pavianleber transplantiert - beide Male erfolglos.

Die 1984 deutlich gewordene Ambivalenz hinsichtlich der Bewertung dieser modernen Therapie des Organausfalls hat sich bis heute gehalten und bestimmt auch die aktuelle Diskussion um die Xenotransplantation, die dank gentechnischer Eingriffe, auch wenn noch viele Fragen ungeklärt sind, der Realisierung deutlich näher gerückt ist: Einerseits besteht gegenüber dem Implantieren tierischer Organe in den Menschen eine intuitive Abwehr; andererseits genießt aber die Verlängerung des menschlichen Lebens bzw. die Beseitigung von allem, das diesem Ziel entgegensteht, ein sehr hohes Maß an Anerkennung.

Wenn bei dem Titel des vorliegenden Buches eine Darstellung der Verfahren und Diskussion der Probleme, die mit dieser neuen menschlichen Handlungsmöglichkeit verbunden, denkt, wird man auf den ersten Blick etwas enttäuscht. Das vorliegende Buch basiert auf einer von dem Autor an der philosophischen Fakultät der Justus-Liebig-Universität Gießen vorgelegten Dissertation. Ziel der Untersuchung ist es, zu erkunden, ob es möglich ist, auf der Basis der in der Philosophiegeschichte entworfenen normativen Konzepte eine greifende moralische Argumentation gegen die Xenotransplantation aufzubauen. Dabei geht es einerseits um die Stellung, die dem Menschen in den verschiedenen Wertesystemen beigemessen wird, z.B. daß der Mensch im Christentum als die Krone der Schöpfung verstanden wird, und zum anderen darum, welchen Stellenwert dem Tier im Verhältnis zum Menschen zuerkannt wird - ein Aspekt der Kritik an der Xenotransplantation besteht darin, Tieren eigene Rechte (animal rights) zuzusprechen, gegen die mit der Xenotransplantation verstoßen werde.

Neben der besonderen Würdigung der christlichen Philosophie setzt sich der Autor in diesem Sinne mit der Philosophie Descartes, Kants, Schopenhauer, Schweitzers und Singers sowie der Philosophie des Buddhismus auseinander. Das Ergebnis dieses Streifzuges durch die Geschichte des menschlichen Bemühens, das eigene Handeln moralisch zu begründen, ist, daß es keine wirklich überzeugende rationale ethische Argumentation gegen die Transplantation tierischer Organe gibt; alle Argumentationsketten, mit denen die Xenotransplantation abgelehnt wird, schleppen immer noch einige axiomatische Annahmen mit. Außerdem entsteht nicht selten das Problem, daß bestimmte Argumente, konsequent durchgeführt, etablierte Handlungsweisen in Frage stellen würden.

Auch wenn der Autor keine wirklich überzeugenden Argumente gegen die Xenotransplantation ausmachen kann, wäre es aus meiner Sicht verfehlt, das Buch als ein Plädoyer für dies medizinische Handlungsoption anzusehen. Es zwingt aber diejenigen, die sich an dem Gespräch beteiligen wollen, die eigene Argumentation sorgfältig zu überprüfen, ob sie denn tatsächlich Bestand haben kann - gemäß dem Schopenhauerschen Motto, das Dahl auch seinen Ausführungen voranstellt, wonach es leicht ist, Moral zu predigen, schwer dagegen, diese zu begründen. Die Ausführungen Dahls können so einen wichtigen Beitrag dazu leisten, daß unterhalb der Ebene absoluter Wahrheiten pragmatische Übereinkünfte in der Sache gefunden werden, bei denen dann auch das - letztlich nicht ethische - Risikoargument sowie sozialethische Aspekte angemessen gewichtet werden können. Die in unserer Gesellschaft notwendig zu führende Debatte wird schließlich auch die übergeordnete Frage, ob denn Lebensverlängerung tatsächlich Ziel des Handelns der helfenden Berufe sein kann, nicht ausklammern können; gerade hinsichtlich dieser Frage wird man aber vermutlich in der Philosophiegeschichte keine Antwort finden, denn die entsprechenden Handlungsoptionen sind jüngster Natur - hier sind wir, die Menschen unserer Zeit gefordert.

Indem es einerseits allzu leichte Antworten auf komplizierte Fragen erschwert und damit zu einer gründlichen Reflexion gemahnt, ist das vorliegende Buch nur sehr zur Lektüre zu empfehlen. Diese Empfehlung wird noch dadurch gestützt, daß die Abhandlung - für eine philosophische Dissertation mit Sicherheit eher die Ausnahme - auch für einen Nicht-Philosophen sehr gut verständlich geschrieben ist.

Management Handbuch Pflege (Rezension)
Management Handbuch Pflege (Dieffenbach, Susanne et al. (Hrsg.))Economica, Heidelberg, 2004, Loseblattwerk im Ordner mit CD-ROM, ca. 500 S., 132,00 € - ISBN 3-87081-369-5Rezension von: Paul-Werner Schreiner Pflegemanagement gibt es zwar noch so nicht so lange, wie es Pflege gib