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Schweig - Weltliche Krankenpflege in den deutschen Kolonien Afrikas 1884-1918

Schweig, Nicole Weltliche Krankenpflege in den deutschen Kolonien Afrikas 1884-1918 Mit einem umfangreichen Bildteil und Quellenanhang Mabuse-Verlag, Frankfurt am Main, 2012. 380 S., 29,90 €, ISBN 978-3-940529-96-1 Das vorliegende Buch beschäftigt sich mit der weltlichen Krank
20. Februar 2015 durch
Schweig - Weltliche Krankenpflege in den deutschen Kolonien Afrikas 1884-1918
Andreas Lauterbach

Schweig, Nicole

Weltliche Krankenpflege in den deutschen Kolonien Afrikas 1884-1918

Mit einem umfangreichen Bildteil und Quellenanhang

Mabuse-Verlag, Frankfurt am Main, 2012. 380 S., 29,90 €, ISBN 978-3-940529-96-1

Das vorliegende Buch beschäftigt sich mit der weltlichen Krankenpflege in den deutschen Kolonien Afrikas in den Jahren von 1884 bis 1918.

Nach dem Studium der Germanistik und Kunstgeschichte in Kiel und Stuttgart, das sie mit dem Magister Artium 2004 abschloss, promovierte Nicole Schweig (Jahrgang 1968) zum Dr. phil. 2008 an der Universität Stuttgart mit einer Dissertation über das „Gesundheitsverhalten von Männern“. Von November 2008 bis Dezember 2009 freie, seit Januar 2010 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung (www.igm-bosch.de), veröffentlichte die Autorin im Jahre 2007 in dem von Martin Dinges herausgegebenen Band „Männlichkeit und Gesundheit im historischen Wandel ca.1800 – ca. 2000“ (Stuttgart 2007) den Beitrag „Familienstand und gesundheitsförderliches Verhalten von Männern in Briefen (1840-1950)“; 2009 folgte ihre Studie „Gesundheitsverhalten von Männern. Gesundheit und Krankheit in Briefen, 1800-1950“.

Der vorliegende Band zeigt folgenden Aufbau:

  1. Einleitung (S. 9)
  2. Die Anfänge weltlicher Krankenpflege in Afrika (S. 14)
  3. Der Deutsche Frauenverein für Krankenpflege in den Kolonien (S. 17)
  4. Ausbildung und Aufgaben der Krankenschwestern des Deutschen Frauenvereins für Krankenpflege in den Kolonien (S. 35)
  5. Die Krankenschwestern des Deutschen Frauenvereins: Gemeindeschwester, Hebamme, Kindergärtnerin (S. 73)
  6. Die Krankenschwestern des Deutschen Frauenvereins, die indigenen Pflegehelfer und die indigene Bevölkerung (S. 90)
  7. Militärlazarette und Kriegskrankenpflege (S. 102)
  8. Die Schwestern des Deutschen Frauenvereins für Krankenpflege in den Kolonien und die koloniale Gesellschaft (S. 112)
  9. Fotografien zur Krankenpflege und Gesundheitsversorgung in den ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika (S. 127)
  10. Quelle: Grete Kühnhold (S. 171)
  11. Zusammenfassung (S. 223)
  12. Quellen- und Literaturverzeichnis (S. 226).

Nach einer kurzen Einleitung (S. 9-13) mit Hinweisen auf die Quellenlage und die ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika skizziert Nicole Schweig knapp die Anfänge weltlicher Krankenpflege in Afrika (S. 14-16), bevor sie den am 30. April 1888 gegründeten „Deutschen Frauenverein für Krankenpflege in den Kolonien“ und dessen Anliegen vorstellt (S. 17-34). In den sich daran anschließenden Kapiteln betrachtet sie die Ausbildung und Aufgaben der Krankenschwestern des Deutschen Frauenvereins für Krankenpflege in den Kolonien einschließlich der Organisation der Einsätze, deren Tätigkeit in Militärlazaretten, die gesundheitlichen Gefährdungen, Urlaub und Erholung der Krankenschwestern, das Ende ihrer Dienstzeit sowie Konflikte der Schwestern und disziplinarische Maßnahmen (S. 35-72), den Einsatz der Krankenschwestern als Gemeindeschwestern, Hebammen und Kindergärtnerinnen (S. 73-89), die indigenen Pflegehelfer und die indigene Bevölkerung (S. 90-101), die Militärlazarette und Kriegskrankenpflege (S. 102-111) sowie das Verhältnis zwischen den Schwestern in den Kolonien und der kolonialen Gesellschaft (S. 112-126). Im Anschluss an die wiedergegebenen Fotografien zur Krankenpflege und Gesundheitsversorgung in den ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika (S. 127-170) findet sich schließlich ein Abdruck der 1917 von Grete Kühnholds veröffentlichten Erinnerungen an ihre Zeit in Afrika„In Friedens- und Kriegszeiten in Kamerun“ (S. 171-222).

Nicole Schweig zeigt in ihrer Veröffentlichung anschaulich, dass das Leben und der Alltag der Krankenschwestern des Deutschen Frauenvereins für Krankenpflege in den Kolonien in Afrika (1884-1918) nur wenig mit den exotischen, romantischen und abenteuerlustigen Vorstellungen mancher Zeitgenossen gemein hatte. Zusammenfassend hält sie hierzu etwa fest: „Die Wohn- und Arbeitsverhältnisse der Schwestern vor Ort waren häufig ausgesprochen primitiv, die schwierige Versorgungslage forderte zahlreiche Entbehrungen, und die gesundheitlichen Gefährdungen der Schwestern waren allgegenwärtig“ (S. 223).

Nach Darstellung der Autorin veränderten sich im Verlauf der 35 Jahre, die ihre Untersuchung umfasst, die Aufgaben und Tätigkeiten, die die Schwestern in den Krankenhäusern und Pflegestationen übernahmen. Waren diese anfangs sowohl für die Krankenpflege als auch für alle hauswirtschaftlichen sowie organisatorischen Angelegenheiten zuständig, wobei ihnen indigene Helfer zur Seite standen, die vor allem die groben und schweren Arbeiten übernahmen, brachte es die Zunahme der europäischen Bevölkerung dann mit sich, dass sowohl ausgebildete Hebammen in die Kolonien kamen als auch Gemeindeschwestern in den europäischen Gemeinden in Afrika angestellt wurden. Unterdessen habe sich das Verhältnis zwischen Ärzten und Krankenschwestern in den „Schutzgebieten“ nicht von dem in der Heimat unterschieden. Der jeweilige Regierungs- oder Militärarzt sei der unmittelbare Vorgesetzte der Schwestern gewesen, dessen Anweisungen sie „unbedingte Folge zu leisten“ hatten.

Wie Nicole Schweig zeigt, bemühte sich der Deutsche Frauenverein für Krankenpflege in den Kolonien im Verlauf der Jahre, in den deutschen Kolonien in Afrika eine mit der in der Heimat vergleichbare Organisation aufzubauen. So habe spätestens ab Anfang des 20. Jahrhunderts jeweils eine Oberschwester den Krankenschwestern einer Kolonie vorgestanden. Außerdem habe der Deutsche Frauenverein in Brakwater (Deutsch-Südwestafrika) ein Erholungsheim für die Schwestern geschaffen, wo sie sich erholen und ihren Urlaub verbringen konnten.

In ihrem Arbeitsalltag hätten die weltlichen Schwestern gegenüber der europäischen Bevölkerung darauf achten müssen, sich „vorbildhaft und moralisch unangreifbar zu verhalten“, weil sie es im Falle von Übergriffen schwer hatten, ihr Recht durchzusetzen. Über die Ausbildung, den Einsatz und die Vergütung der indigenen Helfer sowie die Behandlung derselben durch die europäischen Schwestern war nach Angaben der Autorin „nur sehr wenig“ zu erfahren. Meist hätten die Schwestern den indigenen Helfern in ihren Briefen an den Vereinsvorstand „kein gutes Zeugnis“ ausgestellt.

In ihrer 2007 vorgelegten Einführung in die „Medizingeschichte“ setzen sich die beiden Medizinhistoriker Prof. Dr. Wolfgang Uwe Eckart und Prof. Dr. Robert Jütte auch mit der Geschichte der Krankenpflege auseinander. Hierbei erwähnen sie zu Recht, dass von „einer Geschichtslosigkeit der deutschen Krankenpflege längst keine Rede mehr“ sein könne, wenngleich es hierzulande noch erhebliche Forschungslücken gäbe. Zu den angesprochenen Desideraten gehörte lange Zeit auch die Geschichte der Krankenpflege in den deutschen Kolonien Afrikas, ein Thema, über das wir nun Dank der fundierten Arbeit von Nicole Schweig etwas besser Bescheid wissen.

Wer das Buch „Weltliche Krankenpflege in den deutschen Kolonien Afrikas 1884-1918“ zur Hand nimmt, findet darin unter anderen Antworten auf folgende Fragen: Wie gestaltete sich die personelle Versorgung mit europäischem Pflegepersonal sowie indigenen „Pflegehelfern“? Welche Funktionen und Aufgaben kamen den Schwestern in ihrer Position zwischen den europäischen Ärzten und den afrikanischen „Lazarettgehilfen“ zu? Wie wirkten sich die sozialen Rahmenbedingungen und die Spezialisierung einzelner Einrichtungen auf den Arbeitsalltag aus?

Ergänzt wird die lesenswerte Darstellung durch eine Reihe von Fotografien zur Krankenpflege und Gesundheitsversorgung in den ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika. Diese Aufnahmen, einst ein wichtiges Medium in der Vermittlung zwischen der „kolonialen Lebenswelt“ und der Heimat, um das „Wilde“, das „Rohe“, das „Exotische“ der fremden Völker und deren Kultur darzustellen, dienen der Autorin nicht nur als schmückendes Beiwerk oder zur Illustration, sondern als eigenständige Quelle zur Ergänzung der schriftlichen Unterlagen. Die ausführlichen Beschriftungen sollen dabei, in Anlehnung an Walter Benjamin, für den Betrachter zum Wegweiser werden, wie eine Fotografie wahrgenommen werden soll.

Die Wiedergabe der von Grete Kühnholds 1917 veröffentlichten Erinnerungen an ihre Zeit in Afrika „In Friedens- und Kriegszeiten in Kamerun“ ist begrüßenswert, weil sie der Leserschaft erlaubt, sich einen zeitgenössischen Eindruck über das Thema zu verschaffen.

Das Buch „Weltliche Krankenpflege in den deutschen Kolonien Afrikas 1884-1918“ ist sehr zu begrüßen. Nicole Schweig hat darin ein Thema aus der Geschichte der deutschen Krankenpflege aufgegriffen und beleuchtet, das bislang kaum erforscht war.

Eine Rezension von Dr. Hubert Kolling

Stölzle - Kriegskrankenpflege im Ersten Weltkrieg
Stölzle, Astrid Kriegskrankenpflege im Ersten Weltkrieg Das Pflegepersonal der freiwilligen Krankenpflege in den Etappen des Deutschen Kaiserreichs (Medizin, Gesellschaft und Geschichte, Beiheft 49) Franz Steiner Verlag, Stuttgart,2013, 227 S, ISBN 978-3-515-10481-4 Im Mittelpun