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Nahrungsverweigerung bei Demenzkranken<br> PEG-Sonde - ja oder nein? (Rezension)

Nahrungsverweigerung bei Demenzkranken PEG-Sonde - ja oder nein? (Kolb, Christian)Mabuse-Verlag, Frankfurt, 2003, 84 S., 12,90 € - ISBN 3-935964-21-8Rezension von: Paul-Werner Schreiner Die Handlungsmöglichkeiten der modernen Medizin haben dazu geführt, dass Menschen immer hÃ
25. Mai 2013 durch
Nahrungsverweigerung bei Demenzkranken<br>
PEG-Sonde - ja oder nein? (Rezension)
Andreas Lauterbach

Nahrungsverweigerung bei Demenzkranken
PEG-Sonde - ja oder nein? (Kolb, Christian)

Mabuse-Verlag, Frankfurt, 2003, 84 S., 12,90 € - ISBN 3-935964-21-8

Rezension von: Paul-Werner Schreiner

Die Handlungsmöglichkeiten der modernen Medizin haben dazu geführt, dass Menschen immer häufiger in einen Zustand kommen, in dem sie pflegebedürftig sind. Dabei ist nicht nur an die Situationen zu denken, in denen es gelingt, chronische Krankheiten zu prolongieren oder akute Erkrankungen in chronische zu überführen, sondern auch an die Situationen, in denen das - hoffentlich gut begründete - Handeln in akuten Krisensituationen nicht zu dem gewünschten Erfolg führt.

Vor allem angesichts des finanziellen Drucks, unter dem die Sozialsysteme in den meisten Industrieländern stehen, wird die Versorgung der betroffenen Menschen immer häufiger infrage gestellt. Die Zufuhr von Nahrung stellt dabei ein besonderes Problem dar. Einigkeit besteht darüber, dass eine enterale Ernährung der parenteralen vorzuziehen ist. Streit entsteht sehr häufig über das Verfahren der enteralen Nahrungsverabreichung bei Menschen, die nicht mehr schlucken können. Seit etwa 20 Jahren gibt es die Möglichkeit, eine Sonde zur Verabreichung der Nahrung über die Bauchhaut in den Magen einzulegen; diese sog. PEG-Sonde hat bei mittel- und langfristigem Bedarf gegenüber der nasogastralen Sonde Vorteile.

Die PEG-Sonde ist in den letzten Jahren mehr und mehr zu einem Reizwort und Kampfbegriff geworden. Mit der Begründung, der Betroffene habe so nicht leben gewollt oder in der Natur würde er auch sterben, wird vor Gericht wird um das Recht gekämpft, die Anlage einer PEG-Sonde zu verweigern, was in der Regel damit verbunden ist, dem betroffenen Menschen keine Nahrung mehr zuzuführen - "der Natur ihren Lauf zu lassen".

Diese Versorgungsproblematik bekommt eine besondere Note bei Menschen, die noch schlucken können, dies aber verweigern, wobei angenommen werden muss oder darf, dass diese Entscheidung keine zu respektierende autonome Willensentscheidung des Betroffenen ist - bei den Demenzkranken. Die besondere Problematik besteht nun aber nicht nur in der Bewertung der Entscheidung des betroffenen Menschen, sonder auch darin, dass die an sich n möglich Nahrungszufuhr auf dem normalen Wege bei diesen Menschen vielfach ein zeitaufwendiges und damit personalintensives Unterfangen ist. Die Entscheidung, eine PEG-Sonde anzulegen, entspringt bei den Demenzkranken nicht selten aus der katastrophalen Personalsituation in den Betreuungseinrichtungen. Und es ist schließlich zu kritisch zu bedenken, dass ein alter Mensch, der vielleicht wirklich autonom und zu respektierend beschließt, nicht mehr zu wollen, allzu schnell mit dem Stempel Demenz versehen wird.

Der Autor des vorliegenden Büchleins, Krankenpfleger in einer geriatrischen Station, hat sich intensiv mit diesen Fragen beschäftigt. Nach Ausführung über die Bedeutung des Essens für den Menschen und den Nahrungsbedarf bei alten Menschen legt er die speziellen Ernährungsprobleme bei Demenzkranken dar. Er informiert über die Anlage einer PEG-Sonde und geht ausführlich auf die mit der Anlage bei in der Regel nicht mehr entscheidungsfähigen Menschen verbundenen Rechtsprobleme ein.

Die Entscheidung für oder gegen eine Ernährung über die PEG-Sonde - ob es sich hierbei wirklich um eine künstliche Ernährung handelt, wird leider nicht kritisch diskutiert - hat sehr viel - hierin ist dem Autor zuzustimmen - mit unserem gesellschaftlichen Verhältnis zum Tod des Menschen zu tun. Die weithin bestehende Vorgehensweise, alles medizinisch Mögliche zu tun, um das Leben zu erhalten, dann aber, wenn dies nicht mehr geht, keine Nahrung mehr zuzuführen, mit dem erklärten Ziel, das Leben des betroffenen Menschen abzukürzen, wird in ihrer Widersprüchlich- und Widersinnigkeit leider nicht diskutiert.

Der Autor stellt abschließend fest: "Ich weiß nicht, was die richtige Entscheidung ist - PEG ja oder nein -, aber ich bin mir sicher, dass wir nicht immer im Sinne der Betroffenen handeln." Dem kann ich mich anschließen, auch wenn ich mancher gedanklichen Konsequenz des Autors nicht folgen mag.

Das Büchlein sei jedenfalls allen Pflegenden, die mit der Problematik betraut sind, wärmstens empfohlen. Es kann auch betroffenen Angehörigen in die Hand gegeben werden.

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