Lokaltherapeutische Standards für chronische Hautwunden |
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Der Kammerlander, das Standardwerk zur Lokalbehandlung von chronischen Hautwunden, liegt in zweiter Auflage vor. Der Autor ist Krankenpfleger und seit etwa 20 Jahren mit dem Problem chronischer Wunden befaÃt. Er ist Mitglied sowohl in der österreichischen, der schweizerischen und der deutschen Gesellschaft für Wundbehandlung und arbeitet derzeit als freier Berater für Wundmanagement.
Das vorliegende Buch ist in 17 Kapitel gegliedert. Es gibt als Kompendium eine umfassende Ãbersicht über die Behandlungsprobleme bei vor allem zwei Arten chronischer Wunden, dem Ulcus cruris und dem Dekubitus. Es werden die Gründe für die Entstehung dieser die betroffenen Menschen sehr beeinträchtigenden Hautdefekte sowie die grundsätzlichen Behandlungsprinzipien detailliert dargestellt. Die Abhandlung wird durch zahlreiche instruktive Abbildungen und Photographien ergänzt.
Im ersten Kapitel wird auf die psychische Situation der betroffenen Menschen und die grundlegenden Fragen der Pflegeplanung bei diesen Menschen eingegangen. Weitere Kapitel sind dem Ulcus cruris und seiner Entstehung, dem Problem der Varizen und Ãdeme an den unteren Extremitäten, wobei auch eigens auf das Lymphödem eingegangen wird, sowie der Thrombose gewidmet. Die jeweiligen Behandlungsmöglichkeiten werden dargestellt, wobei der Kompressionstherapie ausführlicher Raum eingeräumt wird.
Ein umfangreiches Kapitel beschäftigt sich mit dem Dekubitus. Der Bogen der Darstellung ist von der Information über Zahlen über die Entstehung, die Früherkennung und die Prinzipien der Prophylaxe und Therapie bis hin zu den ggf. notwendigen operativen MaÃnahmen gespannt.
In den abschlieÃenden Kapiteln wird die Wundheilung als solche dargestellt sowie auf die Problematik der chronischen Wunden und ihrer Behandlung eingegangen. Die Ãbersicht über die verschiedenen auf dem Markt angebotenen Produkte muà bei der rasanten Entwicklung auf diesem Gebiet zwangsläufig veraltet sein; gleichwohl ist diese Ãbersicht informativ. Im Kapitel über die Therapiekonzepte fehlt vollkommen die Behandlung mit Fliegenlarven, die zumindest in Deutschland bei nicht wenigen Patienten als ultima ratio Anwendung findet und mitunter zu erstaunlichen Ergebnissen führt.
Das Buch ist sehr wichtig, und es ist zu wünschen, daà es in jeder Klinik, aber auch in den Praxen von niedergelassenen Allgemeinärzten, Internisten, Chirurgen und Phlebologen, in denen die Behandlung chronischer Wunden nicht nur ein therapeutisches, sondern auch ein finanzielles Problem ist - die Behandlung chronischer Wunden verschlingt jährlich immense Summen -, zu finden sein. Es gibt Patienten, die über Jahre und mitunter Jahrzehnte an chronischen Wunden leiden. Gar nicht selten wird die Ursache des Leidens nicht beseitigt, und/oder es kommen Behandlungsmethoden zum Einsatz, die nicht mehr dem Kenntnisstand entsprechen; mitunter werden moderne Wundbehandlungsmöglichkeiten nicht eingesetzt, weil dadurch das Budget zu stark belastet werde. Diese Argumentation als Milchmädchenrechnung zu entlarven, dazu kann der Kammerlander einiges beitragen.
Eine kleine kritische Anmerkung sei erlaubt: Daà die aufwendige Machart des Buches einen Taschenbuchpreis nicht zuläÃt, sei zugestanden. Angesichts der vielen Abbildungen gerade von einschlägigen Firmenprodukten muà aber die Frage erlaubt sein, ob der sehr hohe Preis wirklich angemessen und nötig ist.