
Klimpel, Volker
Das heilkundige Sachsen
Eine Reise durch die sächsische Medizin- und Krankenhausgeschichte
Hellerau-Verlag, Dresden 2011, 200 S., 10,90 â¬, ISBN 978-3-938122-21-1
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Eine Rezension von Dr. Hubert Kolling
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Für gewöhnlich verbindet man mit Sachsen â abgesehen vom Dialekt â groÃe Musiker, Literaten und Maler, aber auch den Bergbau, die Lokomotiv- und Automobilherstellung und die älteste Raddampferflotte der Welt. Gleichzeitig fallen einem das Erzgebirge, die Sächsische Schweiz und die Lausitz, die vielen Schlösser, Burgen und Museen, die Leipziger Messe und den Thomanerchor, ebenso wie der Dresdner Zwinger und die Frauenkirche ein. Daneben braucht sich freilich die sächsische Medizingeschichte nicht zu verstecken, wie der Dresdner Medizinhistoriker Volker Klimpel in seinem Buch âDas heilkundige Sachsenâ anschaulich zeigt.
Einleitend stellt der Autor, zu dessen zahlreichen Veröffentlichungen auch jeweils mehrere Beiträge in den von Hubert Kolling herausgegebenen Bänden 4 (2008), 5 (2011) und 6 (2012) des âBiographischen Lexikon zur Pflegegeschichteâ gehören, mit einiger Verwunderung fest, dass die medizinhistorischen Universitätseinrichtungen Sachsens wie das traditionsreiche Karl-Sudhoff-Institut in Leipzig und das wesentlich jüngere Institut in Dresden bisher noch keine umfassende Gesamtdarstellung der Medizingeschichte Sachsens vorgelegt haben, was angesichts der materiellen und personellen Ausstattung dieser Institute im Laufe der Zeit wohl durchaus möglich gewesen wäre. Als bekennender Wahlsachse unternehme er âim vollen Bewusstsein der Unzulänglichkeit und Subjektivität des Einzelnen den Versuch, eine solche Ãbersicht als âReiseberichtâ zu erstellenâ (S. 6).
Das mit zahlreichen SchwarzweiÃ- und Farbabbildungen illustrierte Buch kann sich sehen lassen, wird darin doch zum ersten Mal die Medizin- und Krankenhausgeschichte Sachsens von den Anfängen bis zur Gegenwart im Ãberblick dargestellt. Für seine Beschreibung wählte Volker Klimpel âdie Form einer Reise vom Westen des Landes nach Osten bis an die deutsch-polnische und deutsch-tschechische Grenzeâ, die die wichtigsten Ereignisse, Einrichtungen und Persönlichkeiten berücksichtigt. Dem Besuch der einzelnen Regionen â die Reiseroute kann beliebig verändert und individuellen Bedürfnissen angepasst werden â hat der Autor Ausführungen über die sächsische Medizin im Wandel der Zeit und ihre Spezifika vorangestellt, denen die Beschreibung der medizinhistorischen Entwicklungsschwerpunkte im Vogtland, im westsächsischen Industrierevier und seinen Metropolen, im Erzgebirgskreis, im Leipziger Land mit der Universitäts- und Messestadt und in Nordsachsen, im MeiÃner Kreis und in Dresden, im Osterzgebirge und der Sächsischen Schweiz sowie in der Lausitz folgt. Den Abschluss der Darstellung bilden medizinische Begriffe, die auf aus Sachsen stammende oder in Sachsen tätig gewesene Ãrzte zurückzuführen sind und ihren Einfluss auf die gesamte Medizin belegen.
Insgesamt betrachtet bietet das überaus kurzweilig zu lesende Buch, das neben Quellen- und Literaturhinweisen auch ein Personenregister und Ortsverzeichnis enthält, das Bild einer vielgestaltigen und sich den jeweiligen Zeitepochen anpassenden, diesen gelegentlich vorauseilenden heilkundlichen Landschaft in der Mitte Deutschlands, dessen Betrachtung lohnenswert ist. In Hinblick auf die Geschichte der Krankenpflege stöÃt âDas heilkundige Sachsenâ freilich an seine Grenze. Eine entsprechende Arbeit, in deren Mittelpunkt die Frauen und Männer stehen, die sich in der Vergangenheit der Pflege verschrieben hatten, muss für Sachsen wie für viele andere Regionen erst noch geschrieben werden.