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Höppner - Promotion in den Therapiewissenschaften

Höppner, H. (Hrsg.)Promotion in den TherapiewissenschaftenMabuse-Verlag, Frankfurt am Main, 2015, 141 S., 24,95 @, ISBN: 978-3863212810   Mit Beginn der Akademisierung der Gesundheitsfachberufe (z.B. Logopädie, Physiotherapie) seit 2001 in Deutschland und dem Entstehen von Studie
21. Juni 2016 durch
Höppner - Promotion in den Therapiewissenschaften
Andreas Lauterbach
Höppner
Höppner, H. (Hrsg.)
Promotion in den Therapiewissenschaften
Mabuse-Verlag, Frankfurt am Main, 2015, 141 S., 24,95 @, ISBN: 978-3863212810
 
Mit Beginn der Akademisierung der Gesundheitsfachberufe (z.B. Logopädie, Physiotherapie) seit 2001 in Deutschland und dem Entstehen von Studiengängen auf Bachelor- und Master-Level ist es möglich, einen wissenschaftlichen Weg einzuschlagen oder eine höhere akademische Qualifizierung im Sinne einer Promotion zu erlangen. Dennoch hat es der akademische Nachwuchs schwer: vielfältige Hürden blockieren nicht selten den Weg zur Promotion. Vor allem sind es strukturelle Barrieren, wie z.B. ein fehlendes Promotionsrecht der Fachhochschulen, damit häufig einhergehend das Fehlen differenzierter Forschungs- und Netzwerkstrukturen, des Zugangs zur Scientific Community etc. Diese Lücke gilt es durch die Verantwortlichen in Bildungs-, Hochschul- und Berufspolitik dringend zu schließen, indem geeignete Strukturen geschaffen und etabliert werden.
 
Heidi Höppner, Prof. Dr. rer. pol.., MPH, ist Professorin für Physiotherapie. Sie arbeitet aktuell als Studiengangsleiterin des Bachelor-Studiengangs Physio-/ Ergotherapie an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin. Nach ihrer Berufserfahrung als Krankengymnastin sowie dem Studium der Sozial- und Gesundheitswissenschaften engagiert sie sich seit Beginn der Akademisierung der Gesundheitsfachberufe für die Etablierung von Therapiestudiengängen und -wissenschaft in Deutschland.
 
Entstanden ist das vorliegende Buch vor dem Hintergrund von zwei Tagungen 2011 in Halle (Martin-Luther-Universität; Veranstalter: HVG e.V.) und 2014 in Berlin (Alice Salomon Hochschule: Veranstalter: Hochschulen für Gesundheit e.V.) zur Nachwuchsförderung in den Gesundheitsfachberufen (Thema: „Empowerment für eine Promotion in den Gesundheitsberufen“).
 
Das Buch ist eine Herausgeberschrift und Zusammenstellung von Fachbeiträgen, Aufsätzen und Erfahrungsberichten zu den genannten Aspekten. Die einzelnen „Beiträge […] liefern eine Bestandsaufnahme zum wissenschaftlichen Nachwuchs in der Physio- und Ergotherapie bzw. Logopädie. Vor diesem Hintergrund lassen sich Perspektiven erkennen, welche Maßnahmen für eine effektive Unterstützung [zur Nachwuchsförderung in den Therapiewissenschaften] angezeigt sind“ (s. S. 17). Stilistisch wird bei der Aufbereitung und Bearbeitung der einzelnen Aspekte mit interessanten Mitteln gearbeitet: „[…] alle Autor/innen haben vor dem Hintergrund ihres Erfahrungsbereiches oder ihrer systematischen Recherchen bzw. Forschung je zwei Thesen und zwei Forderungen konkretisiert. In einer solchen Gesamtschau lassen sich Bedingungen für gute Promotionen erkennen, die es bereits gibt und geben könnte“ (ebd.).
 
Das behandelte Thema ist in den Gesundheits- und Therapiewissenschaften hochaktuell. Diese sind häufig an Fachhochschulen und Hochschulen angesiedelt, bilden ihre Studierenden anwendungsorientiert aus, besitzen in der Regel jedoch kein Promotionsrecht. Auf der anderen Seite sind vor die Gesundheits- und Therapiewissenschaften, wie z.B. die akademische Sprachtherapie, klinische Linguistik, Patholinguistik seit Jahren an den Universitäten angesiedelt, verfügen über alle Merkmale der Wissenschaft, besitzen etablierte Forschungs- und Netzwerkstrukturen und sind auch in der Lage, den wissenschaftlichen Nachwuchs zu promovieren. Während also Universitätsabsolventen/-innen (und das ist in der Gesamtschau eine geringe Zahl) ohne strukturelle Hürden den Weg in die Promotion unter den dafür notwendigen Voraussetzungen einschlagen können, haben es Absolventen/-innen der gesundheits- und therapiewissenschaftlichen Studiengänge an den Hochschulen und Fachhochschulen deutlich schwerer. Und das, obwohl es seit Bologna jeweils nur ein Bachelor- und Masterlevel gibt – die Frage der Institution und Vergleichbarkeit stellt sich formal folglich nicht mehr. Gleichzeitig fordert die Bildungspolitik die Ansiedlung der Gesundheits- und Therapiewissenschaften an Hochschulen und Fachhochschulen auf Grund der Anwendungsorientierung und unterstützt zudem die Entwicklung sowie den Ausbau von Forschungsstrukturen vor allem in Form von speziell für Hochschulen und FHs aufgelegten Drittmittelprogrammen, Graduiertenprogrammen etc. Die Lücke, die vor allem auf Grund der Veränderungen auf dem Gesundheitsmarkt (u.a. bedingt durch den demographischen Wandel) und im Bildungsbereich (u.a. durch die Umsetzung von Inklusion) bereits in vollem Gange sind, gilt es sowohl seitens der Gesundheitspolitik als auch auf Seiten der Bildungspolitik zu schließen – und zwar dringend. Die Politik muss an dieser Stelle Verantwortung übernehmen und darf die zu schließende Lücke keinesfalls strukturlos den Vertreter/innen unterschiedlicher Interessensverbände überlassen.
 
Ein informatives, spannendes und lesenswertes Buch, das unterschiedliche Zielgruppen in den Blick nimmt: angehende Nachwuchswissenschaftler/innen und Promovenden/-innen, Hochschullehrer/innen, Verantwortliche der Bildungs- und Berufspolitik. Es hilft Informationslücken zu schließen und zeigt den Verantwortlichen die Bereiche auf, in denen dringend gehandelt werden sollte.
 
Eine Rezension von Prof. Dr. Claudia Wahn
Kompaktwissen Anatomie, Physiologie, Erkrankungen
Beifuss, KarinKompaktwissen Anatomie, Physiologie, ErkrankungenUnter Mitwirkung von Julia Beifuss.Basierend auf Textgrundlagen von Hubert Hasel, Maren Koop, Nicole Menche, Katharina Munk, Herbert Renz-Polster, Bernd Guzek.Graphiken von Gerda RauchleVerlag Urban & Fischer. München