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Ein Zaun kennt viele Farben (Rezension)

Ein Zaun kennt viele Farben (Piechotta- Henze, Gudrun et al. (Hrsg.))Mabuse Verlag, Frankfurt am Main 2011, 19,90 Euro, ISBN 978-3-940529-95-4 Rezension von: Dr. phil. Karin Hermanns (Krankenschwester und Diplom-Pflegewirtin) Demenziell veränderte Menschen verfügen über unterschi
25. Mai 2013 durch
Ein Zaun kennt viele Farben (Rezension)
Andreas Lauterbach

Ein Zaun kennt viele Farben (Piechotta- Henze, Gudrun et al. (Hrsg.))

Mabuse Verlag, Frankfurt am Main 2011, 19,90 Euro, ISBN 978-3-940529-95-4

Rezension von: Dr. phil. Karin Hermanns (Krankenschwester und Diplom-Pflegewirtin)

Demenziell veränderte Menschen verfügen über unterschiedlichste Lebensläufe und -erfahrungen, Lebensumstände und soziale Netzwerke. Auf der Suche nach Möglichkeiten, die einer individuellen und wertschätzenden Begegnung mit diesem Personenkreis förderlich sein könnten, werden gerade diese Aspekte in besonderem Maße berücksichtigt. Die HerausgeberInnen und StudentInnen des Studiengangs Gesundheits- und Pflegemanagement an der Alice Salomon Hochschule in Berlin fanden gemeinsam heraus, dass das Erzählen von Lebensgeschichten, der Umgang mit Poesie, Musik und Kunst den Lebensalltag dementer Menschen erheblich bereichern kann. Ihre gewonnenen Erfahrungen werden in diesem Buch präsentiert und reflektiert. Alle Praxisberichte und Tagebuchaufzeichnungen zeigen deutlich, wie sehr begleitende und zu begleitende Personen von einer kreativen, biografisch orientierten Vielfalt profitieren können, vorausgesetzt ein jeder bedenkt, dass jegliches Miteinander niemals statisch und menschliches Handeln niemals vorhersehbar sind.

Die HerausgeberInnen sind:

  • Gudrun Piechotta- Henze, Krankenschwester und Soziologin, Professorin für Pflegewissenschaft an der Alice Salomon Hochschule Berlin
  • Elke Josties, Diplom-Pädagogin, Professorin für Soziale Kulturarbeit an der Alice Salomon Hochschule Berlin
  • Ramona Jakob, Diplom- Pädagogin und Sozialpädagogin, freiberuflich als Dozentin für Schreibprozesse tätig
  • Michael Ganß, Diplom-Gerontologe und Diplom-Kunsttherapeut, ist stellvertretender Vorsitzender der Werkstatt Demenz e.V. Gemeinsam mit Peter Wissmann gibt er die Zeitschrift "demenz. Das Magazin" heraus.

Das vorliegende Buch umfasst insgesamt 166 Seiten und ist nach einem Vorwort von Prof. Dr. Dr. Reimer Gronemeyer und einleitenden Worten der Herausgeber/innen in vier Einzelkapitel gegliedert. Im Anhang findet der Leser Hinweise zur verwendeten Literatur und Angaben zu den Autoren /-innen.

Wie sehr trifft es einen Menschen, wenn er aufgrund einer demenziellen Erkrankung seine eigene Lebensgeschichte und damit seine soziale Identität in einem fortschreitenden Prozess verliert? Dies ist im ersten Kapitel die zentrale Frage, auf die sich die Projektbeteiligten beziehen. Ein erstes kreatives Angebot wird umgesetzt in Form einer so genannten Schreibpatin, die betroffene Personen darin unterstützen soll, den "roten Faden" der eigenen Lebensgeschichte wiederzufinden. Mit Hilfe eines vorbereiteten Gesprächsleitfadens werden erinnerbare Lebenssequenzen ermittelt und dokumentiert. Drei solcher Lebensgeschichten von dementen Menschen, die freiwillig an diesem Projekt teilnahmen sowie Auszüge aus den Forschungstagebüchern der Interviewerinnen werden dem Leser präsentiert. Das Kapitel schließt mit einem Resümee und Hinweisen für die Praxis, die sich aus den gewonnenen Erfahrungen ableiten lassen.

Im 2. Kapitel konzentrieren sich die Überlegungen auf die Fragen inwieweit Poesie eine Brücke der Begegnung zwischen "gesunden" und demenziell erkrankten Menschen sein kann und ob das Hören und Sprechen von lyrischen Texten Einfluss nehmen kann auf das Gedächtnis und das Sprachverhalten sowie auf soziale Kontakte. Diesen Ausführungen schließen sich drei Tagebucheintragungen aus der Praxis an, in denen sehr persönlich geschildert wird, wie der Umgang mit Poesie erlebt wurde. Zuletzt werden wiederum die gewonnenen Erfahrungen aus der Projektphase beschrieben und Hinweise für die Durchführung von Lesungen angeführt.

Herangezogen wird hier die Beuyssche Auffassung von Kunst, da sie dem Autor prädestiniert scheint für die Begleitung von Menschen über den gesamten Verlauf der Demenz. Beuys zufolge ist jeder Mensch ein Künstler und so werden innerhalb dieser Projektphase die Beteiligten, Begleitende und Betroffene ermutigt selbst künstlerisch tätig zu werden. Offenbar können mittels künstlerisch-ästhetischen Handelns Begegnungsräume erschaffen werden, die insbesondere dann eine große Bedeutung erlangen, wenn auf die Sprache als Hauptkommunikationsmittel nicht mehr in vollem Umfang zurückgegriffen werden kann. Auch dieses Kapitel schließt mit einem Resümee, Erfahrungsberichten und Hinweisen für die Praxis.

Zwei herausragende Aussagen, die auf der Theorie von Hartogh und Wickel (2008) basieren, dominieren das vierte Kapitel. Zum einen wird darauf hingewiesen, dass Musik demenziell erkrankte Menschen emotional anregt und damit, zumindest zeitweise, die Lebensqualität steigert, zum anderen kann Musik biografisch gesehen ein "Tor zur Vergangenheit" öffnen. Beachtet werden sollten hier aber die Vorlieben bzw. Abneigungen des Einzelnen, damit die gewünschten Effekte auch erzielt werden können. Wie sich die beteiligten StudentInnen auf den Einsatz von Musik in der Praxis vorbereiteten, welche Hoffnungen bzw. Befürchtungen sie während der Durchführung begleiteten, wurden in Tagebuchaufzeichnungen dokumentiert. Die Reaktionen der erkrankten Personen werden, wie schon in den vorhergehenden Kapiteln, in den Erfahrungsberichten zusammengefasst.

Mit diesem Buch ist dankenswerter Weise ein Werk erschienen, welches sich auszeichnet durch eine starke Gebundenheit an die Praxis. Die Ausführungen der Einzelkapitel basieren hauptsächlich auf Erfahrungen, die in der praktischen Umsetzung von Konzepten gewonnen wurden.

Ganz eindeutig wird der demenziell erkrankte Mensch vom gesamten Autorenteam auf wertschätzende Weise in den Mittelpunkt allen Geschehens gerückt. Für die HerausgeberInnen und StudentInnen sind die Betroffenen nicht lediglich Elemente einer homogenen Gruppe, sondern einzigartige Individuen. Darüber hinaus verleihen sie diesen Menschen den Status des "Experten" und weisen darauf hin, dass Personen des Umfelds begleitende und aktivierende Mitmenschen sein sollten. Dieser Aspekt ist besonders positiv hervorzuheben, da eine solche Sichtweise gegenwärtig immer noch nicht selbstverständlich ist. Mit den vier beschriebenen kreativen Angeboten greifen die AutorInnen zurück auf Therapieformen, die mindestens seit der Antike bekannt sind, aber lange Zeit wenig Beachtung fanden, schon gar nicht im Zusammenhang mit dementen Menschen. Insofern stellen diese Anregungen einen enormen Gewinn dar. Dieses Buch ist in hohem Maße empfehlenswert für alle, die sich für gewinnbringende Begegnungen mit demenziell erkrankten Menschen einsetzen möchten.

Anästhesie-Fibel (Rezension)
Anästhesie-Fibel (Wrobel, Marc et al.)Elsevier, München, 2011, 2., vollst. akt. Aufl., 297 S., 23,95 €,ISBN 978-3-437-24751-4Rezension von: Sven Dietrich, Assistenzarzt Amästhesie Die Anästhesie-Fibel gibt auf 204 Seiten und 15 Kapiteln alle relevanten Informationen aller opera