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Diagnose per Computer<br> Eine ethische Bewertung medizinischer Expertensysteme (Rezension)

Diagnose per Computer Eine ethische Bewertung medizinischer Expertensysteme (Marckmann, Georg)Deutscher Ärzteverlag, Köln, 2003, 215 S., 39,95 € - ISBN 3-7691-0458-7 Rezension von: Paul-Werner Schreiner Der Einsatz von Computern in Krankenhäusern und anderen Einrichtungen de
25. Mai 2013 durch
Diagnose per Computer<br>
Eine ethische Bewertung medizinischer Expertensysteme (Rezension)
Andreas Lauterbach

Diagnose per Computer
Eine ethische Bewertung medizinischer Expertensysteme (Marckmann, Georg)

Deutscher Ärzteverlag, Köln, 2003, 215 S., 39,95 € - ISBN 3-7691-0458-7

Rezension von: Paul-Werner Schreiner

Der Einsatz von Computern in Krankenhäusern und anderen Einrichtungen der Gesundheitsfürsorge ist mittlerweile so selbstverständlich, dass er eigentlich nur noch dann Gesprächsstoff bietet, wenn die Systeme einmal wieder nicht funktionieren. Der insoweit selbstverständliche Computereinsatz bezieht sich jedoch fast ausschließlich auf die administrativen Belange der Institutionen; dass Ärzte (häufig) und Pflegende (eher selten) dienstlich im Internet und allgemein zugänglichen Datenbanken nach Informationen suchen, ist auch nichts Ungewöhnliches mehr. Aber schon der Einsatz des PCs zur Eindämmung der im klinischen Alltag allerorts anzutreffenden Zettelwirtschaft dürfte eher noch die Ausnahme sein; mitunter wird die Informationsvermittlung via PC von den Netzadministratoren auch gezielt erschwert. Noch nicht alle Massenerscheinung, aber zunehmend mehr wird der Computer auch für die "eigentliche", die als ureigene Arbeit von Pflegenden (Pflegeplanung und -dokumentation) und Ärzten (Diagnostik, Therapie und Prognosestellung) angesehene Tätigkeit genutzt. Dass ein Arzt dem Computer eine Fülle von Daten eingibt und dann von dem Computer eine Diagnose genannt bekommt, läuft dem allgemein verbreiteten Verständnis von ärztlichem Tun diametral zuwider. Gleichwohl ist die Annahme, der Arzt würde mit Empathie und Einfühlungsvermögen den Patienten untersuchen und dank seines immensen Wissens und seiner Erfahrung die richtige Diagnose stellen und diese dann ggf. durch bestimmte ausgewählte Untersuchungen verifizieren, eine idealistische Verklärung der klinischen Realität - und dies ist nicht eine Folge des Einzugs des Computers in diese Realität. Im klinischen Alltag wird oftmals eine Unmenge an laborchemischen, elektrophysiologischen und bildgebenden Befunden erhoben (Stichwort: Routineaufnahmestatus), bevor ein Arzt den betroffenen Patienten gesehen hat - und mitunter ist das Erstaunen groß, wenn die Befunde überhaupt nicht zur Klinik des Patienten passen wollen oder dieser plötzlich eine ganz andere Krankheit hat. Angesichts der immer größer werdenden Menge an erhebbaren Daten, die ausgewertet werden müssen, ist es in keiner Weise abwegig, einen Computer einzusetzen.

Der Tübinger Medizinethiker Georg Marckmann unterzieht nun in dem vorliegenden Buch die für diesen Zweck entwickelten medizinischen Expertensysteme einer ethischen Bewertung. Dabei stellt er bereits in den einleitenden Ausführungen zur Methodik der Untersuchung heraus, dass die herauszuarbeitende ethisch-normative Grundstruktur zwar eine Konstante darstellt, die konkrete Bewertung des Computereinsatzes im Handeln des Arztes ein grundsätzlich unabgeschlossenes Projekt ist, da auszusprechende Empfehlungen bedingt durch die Entwicklungsdynamik der Informationstechnologie immer wieder neu überdacht werden müssen.

Nach den einleitenden Ausführungen zur Methode werden die Grundlagen der Expertentechnologie beschrieben und anschließend einige existierende medizinische Expertensysteme vorgestellt. In einem weiteren Kapitel werden die Strukturen ärztlichen Denkens und Handelns beschrieben. Vor diesem Hintergrund werden die Expertensysteme dann zunächst einer medizintheoretischen Beurteilung unterzogen. Dabei stellt sich heraus, dass sich ärztliches Wissen derzeit noch nicht angemessen in Expertensystemen repräsentieren lässt. Das Problem sei weniger die Konservierung des vorhandenen Wissens, sondern die Auswahl von validem und klinisch relevantem Wissen. In einem weiteren Kapitel werden die nicht allzu zahlreich vorliegenden Studien zur Evaluation von medizinischen Expertensystemen, die bislang selten den Weg in die klinische Realität geschafft haben, referiert. Der Autor bezieht dabei auch auf die technisch weniger aufwändig gestalteten Systeme computergestützter Entscheidungsfindung mit ein. Schließlich ist ein Kapitel der ethischen Beurteilung gewidmet. Marckmann betont hier, dass für die Indikationsstellung einer Maßnahme eine die Wertvorstellungen des Patienten einbeziehende Nutzen-Schaden-Abwägung erfolgen muss - und diese können nicht ein Computersystem, sondern nur ein menschlicher Experte leisten.

Diese Feststellung sowie die in den Anfangskapiteln konstatierte begrenzte Abbildbarkeit ärztlichen Wissens und ärztlicher Entscheidungen in Expertensystemen bestimmen die zusammenfassende Beurteilung die Empfehlungen, die am Ende der Untersuchung formuliert werden. Expertensysteme können ärztliche Entscheidungsfindung unterstützen, aber nicht ersetzen. Bei ihrem Einsatz müsse vor allem darauf geachtet werden, dass sie das leisten können, was von ihnen erwartet wird. Marckmann geht davon aus, dass die Zukunft weniger den komplexen Expertensystemen gehören wird, sondern vielmehr Systemen computerunterbasierter Entscheidungsunterstützung, die nicht eine vollständige Fallbearbeitung bieten, sondern Teilaufgaben übernehmen.

Da der Computer - und sei es schleichend - in immer mehr Bereichen zum Einsatz kommt, kann das Buch allgemein empfohlen werden - auch Nicht-Ärzten, da es viele Informationen über Expertensysteme sowie die Methodik der Beurteilung dieser Systeme enthält.

Anzumerken ist noch, dass im Anhang des Buches die 20. Jahrestagung des Arbeitskreises Medizinischer Ethik-Kommissionen von 2002 in der BRD dokumentiert ist. In den beiden Vorträgen der Tagung geht es zum einen um das Management von Multizenterstudien im Zusammenhang mit der GCP Richtlinie 20/2001/EG vom 4. 4. 2001 und zum anderen um Anhaltspunkte für die Ermittlung der Höhe der Gebühren von Ethik-Kommissionen.

Stationsleitung <br> Handbuch für das mittlere Management in der Kranken- und Altenpflege (Rezension)
Stationsleitung Handbuch für das mittlere Management in der Kranken- und Altenpflege (Matthews, Arline und Janet Whelan)Verlag Hans Huber, Bern, 2002, 240 S., 29,95 € - ISBN 3-456-83373-3 Rezension von: Karsten Förstmann Das Buch Arline Matthews und Janet Whelan ist 1993 in E