Ãlter werden (Bovenschen, Silvia)Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt, 2009, 2. Aufl., 160, S., 9,00 €,ISBN 978-3-596-51101-3Rezension von: Paul-Werner Schreiner |
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Älter werden wir alle - vor Anfang an und absolut unumkehrbar. Dies ist ebenso eine triviale Binsenweisheit, wie diese häufig geleugnet wird.
Die Literaturwissenschaftlerin und Essayistin Silvia Bovenschen legt in dem Büchlein keine systematische Abhandlung zu dem Thema vor, auch keinen Essay. Sie reflektiert in der Ich-Form in - wie im Untertitel zutreffend bezeichnet - Notizen Erinnerungen und Ereignisse ihres Lebens, vor allem solche, die ihr das Älter-Werden ins Bewusstsein brachten. Dabei geht es natürlich um Vergänglichkeit und Tod, aber auch um Zuversicht, Sehnsucht und Situationen des Glücks.
Die Autorin sinniert aber nicht nur so einfach über das Älter-Werden - sie tut dies gezwungener Maßen als Chronisch-Kranke - sie erfuhr mit Mitte 20, dass sie an Multipler Sklerose erkrankt ist.
In einer nie langweiligen Sprache werden Momentaufnahmen dargestellt, zum Teil nachdenklich, zum Teil aber auch ironisierend. Manche Situationen werden zuge- oder sogar überspitzt dargestellt, um im Alltag meist verborgen bleibende Hintergründe deutlich zu machen. Dabei kann der Leser an vielen Stellen ein Schmunzeln kaum unterdrücken. Ein Beispiel: "Das ist bekannt: eine ältere Frau ist jünger als eine alte Frau. Wie groß muss doch die Angst vor dem Alter sein, dass die sogar die Grammatik vergewaltigt."
Das Büchlein kann uneingeschränkt zur Lektüre empfohlen werden. Denen, die täglich berufsmäßig mit dem Älter-Werden beschäftigt sind, sei es im Besonderen empfohlen, gerade weil es keine systematische Abhandlung ist, sondern auf Umstände aufmerksam macht, die dort unausgesprochen bleiben - und natürlich, weil in diesen Alltags-Notizen unaufdringlich deutlich wird, dass die beruflich mit dem Älter-Werden Beschäftigten selbst davon betroffen sind.